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Chronik

Kein Geld, kein Platz, keine Mannschaft: Die Vereinsgründung

 

 

In Obertsrot ließ die Gründung eines Fußballvereins lange auf sich warten. Das lag gewiss nicht an mangelnder Begeisterung seitens der Jugendlichen, sondern vielmehr an den örtlichen Gegebenheiten – vor allem am Fehlen eines geeigneten Spielfelds. Der Wunsch eines großen Teils der Dorfjugend von Obertsrot, den Fußballsport in einem eigenen Verein betreiben zu können, bestand schon lange vor der Gründung des FCO. Als die Fußballweltmeisterschaft 1958 in Schweden in vollem Gange war, wagten schließlich einige junge Männer diesen mutigen Schritt. Georg Schmitt und Michael Klumpp luden auf Samstag, 21. Juni 1958 in den Saal des Gasthauses „Zur Rose“ ein. 33 Fußballanhänger kamen und hoben den neuen Fußballverein aus der Taufe.

Ernst Krieg, Gemeinderat der damals noch eigenständigen Gemeinde Obertsrot, leitete die Gründungsversammlung und hob sogleich hervor, dass die Mitarbeit eines jedes Einzelnen und der Zusammenhalt der aktiven Spieler für den Fortbestand des zu gründenden Vereins unumgänglich sein werde – Worte, die noch heute Bestand haben. Die ersten Mitglieder waren sich also der Schwierigkeiten wohl bewusst, die zu meistern haben würden. Doch im Vertrauen auf die sportbegeisterten Jugendlichen im Ort und auf die Bereitschaft zur Mitarbeit von Männern, die in der Führung eines Vereins erfahren waren, nahm man die Herausforderung an. Die Wahl der ersten Vorstandschaft unter Wahlleiter Otto Heitlinger brachte folgende Besetzung:

 

  1. Vorsitzender: Ernst Krieg

  2. Vorsitzender: Karl Buchholz

Schriftführer: Peter Sowada

Hauptkassierer: Josef Welsch

Spielausschuss: Erich Rothengatter (Vorsitzender), Fritz Herrmann, Anton Hartmann

Jugendleiter: Hans Schiel

Jugendwart: Erhard Gaul

Platzkassierer: Georg Schmitt, Horst Sauter

Trainer: Josef Pauer

Gerätewart: Michael Klumpp

Pressewart: Martin Kober

 

Für die erste Verbandsrunde wurden eine erste Mannschaft und eine B-Jugend gemeldet. Eine zweite Mannschaft sollte zunächst außer Konkurrenz mitwirken. Als Vereinsfarben wählte die Gründungsversammlung rotes Trikot, schwarze Hose, schwarz-rote Stutzen. Zu Beginn der 60er Jahre wechselte der FCO die Farben auf blau-weißes Trikot, weiße Hose. Es blieb das Problem des Fußballplatzes, der in Obertsrot nicht zu bekommen war. Dank der Vermittlung der Gemeindeverwaltung konnte der Ausweichsportplatz des FC Gernsbach an der Obertsroter Landstraße von der Stadt Gernsbach gepachtet werden. Damit war der Weg frei für die Aufnahme des FCO in den Badischen Sportbund und die Mitwirkung an der Verbandsrunde 1958/59 sichergestellt.

Nach Abwicklung der umfangreichen Formalitäten waren die Vorbereitungen für die bevorstehende Punktspiele zu treffen. Hier zeigte sich schnell, dass Begeisterung und guter Wille allein für eine Vereinsgründung nicht ausreichend sind, sondern dass auch Geld notwendig ist, um die entsprechende Ausrüstung zu beschaffen. In dem unvergessenen Bürgermeister Karl Götz (Vater des langjährigen FCO-Vorsitzenden Werner Götz) fand der junge Verein einen echten Freund und Förderer. Auch der Obertsroter Gemeinderat zeigte sich aufgeschlossen und bewilligte einen Zuschuss als Starthilfe: Sportbekleidung, Bälle, Tornetze und andere notwendige Utensilien konnten beschafft somit werden. Auch die spielerischen Voraussetzungen wurden in fleißiger Trainingsarbeit von dem erfahrenen Spielertrainer Josef Pauer vermittelt – so gut es die Kürze der Vorbereitungszeit zuließ. Glücklicherweise konnte die erste Mannschaft auf den wichtigsten Positionen mit Akteuren besetzt werden, die schon etwas Erfahrung bei anderen Vereinen gesammelt hatten. Am 17. August 1958 fand schließlich die Generalprobe für das erste Verbandsspiel statt. Gegner war die dritte Mannschaft des FV Hörden, gegen die der FC Obertsrot vor stolzen 150 Zuschauern überraschend deutlich mit 7:3 gewann. Am 31. August folgte dann das offizielle Debüt in einem Punktspiel. Der Neuling hatte in der C-Klasse gegen den hoch favorisierten SV Michelbach anzutreten. Zu diesem ersten Heimspiel kamen rund 200 Zuschauer, die ein gutes und abwechslungsreiches Spiel erlebten. Die „Anfänger“ zeigten wenig Respekt und gingen mit einer 4:3-Führung in die Pause. In der zweiten Hälfte bekamen die arrivierten Gäste das Spiel aber immer besser unter Kontrolle und siegten am Ende noch deutlich mit 8:4. Der FC Obertsrot ging mit folgender Elf in sein erstes Ligaspiel: Pauer, Kuth, A. Hasenohr, Schäfer, Klumpp, E. Büchel, Großmann, Roth, Herrmann, Schneider, Wallat. Das erste Tor in dieser Partie und damit den ersten offiziellen Treffer für den FC Obertsrot in seiner Fußballgeschichte erzielte Rechtsaußen Bernhard Großmann, die übrigen Tore gegen Michelbach besorgte Mittelstürmer Fritz Herrmann.

In der ersten Verbandsrunde kam der neu gegründete FC Obertsrot auf insgesamt sechs Siege und drei Unentschieden. Das reichte am Ende für ein Punktekonto von 15:37 und ein Torverhältnis von 44:96. Die Zuschauerresonanz bei den Heimspielen betrug im Schnitt zwischen 150 und 200 Fans. Zu den Auswärtsspielen fuhr regelmäßig ein Omnibus der Deutschen Bundspost, da Privatfahrzeuge noch selten waren. Die Kosten mussten größtenteils von den mitfahrenden Schlachtenbummlern aufgebracht werden.

 

Nach Abschluss der ersten Verbandsrunde fand am 24. Mai 1959 die erste Jahreshauptversammlung im Vereinslokal „Zur Rose“ statt. 69 Mitglieder nahmen daran teil. Es war über einige Umbesetzungen in der Vorstandschaft zu beschließen. So wurde der Spielausschuss von Otto Heitlinger, Karl Kneisch und Erhard Götz übernommen. Platzwart und Vereinskassierer wurde Franz Haitz. Die neu gebildete C-Jugend übernahm Erich Rothengatter. Es wurde außerdem als zweckmäßig erachtet, für jede Mannschaft einen verantwortlichen Betreuer zu bestellen. Im zweiten Spieljahr konnten sich alle Mannschaften verbessern. Musste die erste Mannschaft in der ersten Verbandsrunde noch mit dem viertletzten Tabellenplatz vorlieb nehmen, schaffte sie schon in der zweiten Saison einen beachtlichen siebten Rang in der Abschlusstabelle. Diese Leistungssteigerung war vor allem dem neuen Trainer Heinz Bott aus Ottenau zu verdanken, der auch aktiv auf dem Rasen mitwirkte und eine große Verstärkung für das Team bedeutete.

 

Im dritten Vereinsjahr wurde Willi Schreiber als neuer Trainer für die Aktiven verpflichtet. Das wirkte sich erneut auf die Form der Mannschaften aus. So konnte die Erste im Vereinspokal so weit vordringen, dass sie einen Gegner aus der ersten Amateurliga erhielt – und zwar den damals großen VfB Gaggenau. Dieser sonnige Samstagnachmittag sollte zu einem ersten sportlichen Glanzlicht der jungen Vereinsgeschichte werden. 400 Zuschauer kamen zu dieser Partie, für die Kicker des FCO ein großes Erlebnis. Vor allem, weil das Spiel mit einem Paukenschlag begann: Mittelstürmer Fritz Hermann besorgte mit einem echten Hammer schon nach wenigen Minuten die nicht für möglich gehaltene FCO-Führung. Trotz wackerer Gegenwehr reichten die spiekerischen Mittel aber nicht aus, um dem VfB über 90 Minuten Paroli zu bieten. Das Spiel endete schließlich mit 1:6, dennoch konnten die FCO-Akteure erhobenen Hauptes den Platz verlassen. In der C-Klasse erreichte das Team von Willi Schreiber wie schon im Vorjahr einen guten siebten Rang.

 

Das vierte Vereinsjahr brachte erneut einige Änderungen in der Vorstandschaft mit sich. Franz Schreiber wurde zum zweiten Vorsitzenden gewählt, während der aktive Spieler Gebhard Schäfer die Kassengeschäfte für den zur Bundeswehr einberufenen Peter Sowada übernahm. Spielausschussvorsitzender wurde Karl Buchholz. Trainer Willi Schreiber kehrte zum FC Gernsbach zurück. Ihn ersetzte Günther Wegner, der von der Spielvereinigung Ottenau nach Obertsrot wechselte. Leider waren in diesem Jahr viele Spielerabgänge zu verkraften. Dennoch war man beim FCO schon in der vierten Saison in der Lage, diese Lücke durch Jugendspieler aus den eigenen Reihen zu schließen. Sorgen bereitete dem Vorstand vor allem die Bange Frage, wie lange der Sportplatz an der Obertsroter Landstraße noch zur Verfügung stehen würde. Schließlich wusste man von den Plänen der Straßenbauverwaltung, nach denen der Sportplatz den geplanten Verbesserungen der Verkehrsverhältnisse im Raum Gernsbach geopfert werden sollte. Und wie schnell es gehen kann, ohne bespielbaren Sportplatz dazustehen, dass demonstrierte eines Tages die Straßenmeisterei Gernsbach. Denn ehe man sich versah und reagieren konnte, war der Platz soweit mit angefahrenem Aushubmaterial aufgefüllt, dass nur noch ein halbes Spielfeld zur Verfügung stand. FCO-Vorsitzender Ernst Krieg ließ die Sache nicht auf sich beruhen und wurde beim Regierungspräsidium Freiburg vorstellig. Von dort aus wurde schnelle Abhilfe geschaffen, als den Herren lieb war, die diese Maßnahme veranlasst hatten.

 

Im folgenden Spieljahr 1962/63 konnten sich die Seniorenmannschaften weiter stabilisieren, während es beim Nachwuchs umso betrüblicher aussah. Die C-Jugend – damals de einzige gemeldete Jugendmannschaft – musste sogar während der Verbandsrunde zurückgezogen werden. Die Vereinsleitung machte sich deshalb zur besonderen Aufgabe, das Augenmerk auf die Nachwuchsförderung zu legen. Denn ohne Jugendmannschaften im Wettbewerb steht die Zukunft des Vereins auf mehr als nur wackeligen Beinen.

Zu Beginn des Jahres 1963 hatte der Verein eine weitere Krise zu überstehen: Bei der Jahreshauptversammlung am 12. Januar trat die gesamte Vorstandschaft zurück. Als neues Team übernahmen Ernst Krieg (Vorsitzender), Erhard Büchel (zweiter Vorsitzender), Werner Götz (Schriftführer), Gebhard Schäfer (Kassierer), Georg Schmitt, Franz Schlosser, Markus Kohler (Spielausschuss) und Josef Pauer (Jugendleiter) die Verantwortung für den jungen FC Obertsrot. In diesem Jahr führte der Verein sein erstes Sportfest durch, an dem namhafte Vereine wie der SV 08 Kuppenheim oder der FV Hörden teilnahmen. Das Sportfest vom 27. bis 29. Juli wurde aber auch aus finanzieller Sicht ein voller Erfolg. Den selbstlosen Helfern wurde mit dem Besuch des Bundesligaspiels VfB Stuttgart gegen den 1 FC Nürnberg gedankt.

Dennoch bereitete dem Verein nach wie vor der Mangel an aktiven Spielern große Sorgen. Neun Akteure waren zu dieser Zeit bei der Bundeswehr, die zweite Mannschaft musste deshalb zurückgezogen werden. Da auch noch keine neue Jugendmannschaft gebildet werden konnte, hatte der Verein nur noch ein Team im laufenden Wettbewerb.

 

Bei der Jahreshauptversammlung am 19. Januar 1964 waren abermals Umbesetzungen in der Führungsriege des FCO erforderlich. Spielausschussvorsitzender wurde Franz Schlosser und für den zur Bundeswehr einberufenen Schriftführer Werner Götz übernahm der frühere Schriftführer Josef Welsch wieder die Geschäfte. In diesem Jahr wurden Sportfeste in Waldprechtsweier, Loffenau, Staufenberg und Selbach besucht. Im Mittelpunkt des Vereinsjahrs 1964 stand aber der Bau des Clubhauses auf der Froschau, das dem Verein über lange Jahre hinweg zur Bleibe werden sollte.

Zum Duschen ging’s zum Rosenwirt:

25 Jahre Vereinsleben auf der Froschau

 

Bei der Gründung des FC Obertsrot war man sich im Klaren, dass der Spielbetrieb auf dem Sportplatz an der Obertsroter Landstraße nicht einfach werden würde. Man hatte zwar einen Platz, auf dem Verbandsspiele ausgetragen werden konnten, wusste aber nicht, wie lange dieses sportliche Domizil dem Verein zur Verfügung stehen würde. Schließlich war man nur Unterpächter – der FC Gernsbach hatte ältere Rechte, die er im Bedarfsfall geltend machen konnte. Hinzu kam, dass zunächst kein Raum und keine Hütte zur Unterbringung der notwendigsten Gerätschaften vorhanden waren. Zudem gab es für die Spieler keine Waschgelegenheit; ein Zustand also, der nur von vorübergehender Dauer sein konnte.

Die Grundstücksnachbarn hatten seinerzeit dankenswerter Weise Verständnis für die Situation des jungen Vereins und erlaubten es den Spielern, sich auf dem überdachten Holzplatz des Zimmereigeschäfts umzuziehen. Auch die Waschanlage des Campingplatzes durfte zeitweise benutzt werden. Als Waschraum stellte an den Spielsonntagen der Rosenwirt ein Badezimmer zur Verfügung – sowohl für die Gastmannschaften als auch für die eigenen Spieler.

Die für den Spielbetrieb notwendigen Geräte mussten allerdings von den Vorstandsmitgliedern daheim aufbewahrt werden. Vor allem die Gerätschaften für die laufenden Unterhaltungsarbeiten auf dem Platz mussten allesamt von zu Hause aus mitgebracht werden. Der damalige Vorsitzende Ernst Krieg verstand es stets hervorragend, die immer wieder notwendigen Arbeitseinsätze zu organisieren, um die Platzverhältnisse zu verbessern. Ein Aufwand, der heute kaum noch vorstellbar ist. Besonders bei der alljährlichen Beseitigung der Hochwasserschäden war er stets als erster Mann zur Stelle, wobei er noch seine Arbeitsgeräte zur Verfügung stellte. Gerade bei diesen Arbeitseinsätzen zeigte sich immer wieder, dass die Vereinsführung auf einen festen Stamm von aktiven und passiven Mitgliedern zählen konnte, die überall mit anpackten, wo es notwendig war.

Im Jahr 1962 zeigte der Obertsroter Gemeinderat Verständnis für einen Antrag des Vereins auf Erstellung eines behelfsmäßigen Raums zur Unterbringung des Allernotwendigsten. Zunächst dachte man an einen ordentlichen Geräteschuppen. Da zu dieser Zeit aber erkennbar war, dass kurz- oder mittelfristig der Bau eines neuen Sportplatzes mit Vereinsheim für den FCO nicht zu verwirklichen war, versuchte man das Beste aus der Situation zu machen. So wurde aus dem ursprünglich beantragten Geräteraum ein Clubhaus, das dem FCO über lange Jahre hinweg zur Heimat werden sollte. Mit der Erstellung dieses Clubhauses war gleichzeitig die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung zu planen und auszuführen. Die Planung dieser Baumaßnahmen wurde dem Vereinsmitglied und Bauingenieur Ottmar Haist übertragen, der diese Aufgabe gewissenhaft und zur vollen Zufriedenheit ausführte. Die Arbeiten selbst wurden wie die Herstellung der Fundamente in Eigenarbeit erledigt.

Im Jahr 1965 konnte schließlich das fertige Clubhaus von Bürgermeister Karl Götz im Beisein des Gemeinderats in einer schlichen Feierstunde dem Verein zur Nutzung übergeben werden. Vorstand und aktive Spieler waren glücklich darüber, endlich ein eigenes Vereinsheim zu haben, in dem man nach eigenem Ermessen schalten und walten konnte. Spielbetrieb und Vereinsleben gestalteten sich von nun an unabhängiger, wenngleich dadurch weitere Aufgaben auf den nach wie vor sehr jungen und unerfahrenen Verein zukamen. Auch für den Vereinskassierer bedeutete das neue Domizil zusätzliche Arbeit. Durch die eigene Bewirtschaftung des Clubhauses in der Froschau wurde aber auch eine neue – wenn auch bescheidene – Einnahmequelle erschlossen. Nichtsdestotrotz machten diese Nebeneinkünfte die eine oder andere Neuanschaffung leichter.

 

Das Clubhaus brachte nicht nur für den Spielbetrieb wesentliche Verbesserungen, sondern auch der Pflege von Geselligkeit und Kameradschaft wurden neue Möglichkeiten eröffnet. So konnten die wöchentlichen Spielersitzungen von nun an im Clubheim stattfinden, und auch nach den Heimspielen hatten die Spieler Gelegenheit, noch etwas beisammen zu bleiben und Siege zu feiern oder Niederlagen besser zu verdauen. Für den Nachwuchs wurde von der Jugendabteilung von nun an alljährlich zur Vorweihnachtszeit eine besinnliche Feier vorbereitet, die immer gut ankam.

Aber nach all den sportlichen und geselligen Veranstaltungen musste auch wieder für Ordnung in den eigenen vier Wänden gesorgt werden. Es waren leider immer nur wenige, die sich darum kümmerten. Hier sei besonders die Familie Buchholz genannt, die über viele Jahre hinweg das Clubhaus in der Froschau in Schuss hielt und außerdem dafür sorgte, dass der Wirtschaftsbetrieb ordnungsgemäß funktionierte. Im technischen Bereich waren der Schlosser-Franz und der Götz-Norbert die „dienstbaren Geister“, die immer zur Stelle waren, wenn es galt, Reparaturen durchzuführen oder Mängel zu beseitigen.

Mit Abschluss der Saison 1982/83 brach der FC Obertsrot seine Zelte auf der Froschau ab – sicherlich zur Freude der Mitglieder, die allerdings auch mit einem lachenden Auge auf die für heutige Verhältnisse doch sehr rustikale Anfangszeit zurückblicken. Die Vereinshütte in der Froschau hatte schon ihren Charme, ist von alteingesessenen FCOlern auch heute noch zu hören. Manches Erlebnis, das mit dem ersten Vereins-Clubhaus und dem alten Sportplatz an der Obertsroter Landstraße zusammenhängt, wird in lebhafter Erinnerung derer bleiben, die in den ersten 25 Jahren des Vereins dort den Grundstein für eine Zukunft auf dem herrlichen Sportgelände am Hungeberg gelegt haben.

Die große Zäsur: Der FCO baut sich eine Heimat

 

 

Der Wunsch des FC Obertsrot, irgendwann einmal einen vereinseigenen Sportplatz und ein dazugehöriges Clubhaus sein Eigen nennen zu können, war von Anfang an da. Dass es der Verein in so kurzer Zeit realisiert hat, ist zum einen der kleinen Portion Glück (Erdrutsch im Gewann „Demenwies“) vor allem aber dem großen Idealismus seitens der Mitglieder und der Verantwortlichen zu verdanken, die dieses aufwendige und nicht ganz risikofreie Unterfangen auf den Weg gebracht haben. Hier ein kurzer chronologischer Ablauf der einzelnen Schritte bis zur Fertigstellung der neuen Heimat des Vereins, ohne die der FCO heute nie das hätte sein können, was er ist. „Es war die größte Zäsur in unserer Vereinsgeschichte“, blickt Vorsitzender Werner Götz auf die Jahre 1981 bis 1983 zurück:

 

 

  • 17. Juli 1981: Baugenehmigung wird erteilt

 

  • Juli 1981: Ausheben der Baugrube

 

  • 9. August 1981: Ausgrabung der Sohlen

 

  • 14. September 1981: Stellen des Schnürgerüsts

 

  • 18. September 1981: Betonieren der Sohlen

 

  • 29. September 1981: Betonieren der Druckplatte (es regnet in Strömen)

 

  • 30. September 1981: Beginn der Schalungsarbeiten für die Kellerrückwand

 

  • Oktober 1981:.Betonieren der Kellerrückwand

 

  • April 1982: Betonieren der Kellerdecke

 

  • 19. bis 24. Juli 1982: Abbinden des Bauholzes

 

  • 31. Juli 1982: Richtfest

 

  • 25. September 1982: Abbau des Baugerüsts

 

  • Oktober 1982: Einbau der Fenster

 

  • Dezember 1982: Fertigstellung der Heizung

 

  • Februar 1983: Abschluss der Gipserarbeiten

 

  • März 1983: Beginn der Plattenlegerarbeiten

 

  • Mai 1983: Beginn der Malerarbeiten

 

  • 10. Juli 1983: Einweihung des Clubhauses

 

Heftige Diskussionen und viel Regen: FCO nimmt alle Hürden

 

 

Schon Ende der 60er Jahre hatte die damals noch selbstständige Gemeinde Obertsrot beschlossen, im Gewann „Demenwies“ ein neues Sportgelände zu errichten. Dieses Vorhaben stieß beim FCO natürlich auf große Zustimmung. Der konkrete Gedanke an einen neuen, vereinseigenen Sportplatz samt Clubhaus begann zu keimen und zog sich fortan wie ein roter Faden durch die mehr als zehn Jahre dauernden Vorbereitungszeiten. Der erste Planentwurf vom Gernsbacher Architekturbüro Fetzner wurde schließlich bei der Jahreshauptversammlung am 18. Oktober 1980 vom damaligen FCO-Vorsitzenden Rainer Winkler zu Begutachtung vorgelegt. Allerdings war die Realisierung dieses Plans durch die anstehenden Neuwahlen des FCO-Vorstands ernsthaft gefährdet: Niemand war zunächst bereit, die Verantwortung für dieses Projekt als erster Vorsitzender zu übernehmen.

Nach langwierigen und teils heftigen Diskussionen war es schließlich Vereinskamerad Georg Schmitt, der die Zügel in die Hand nahm. Von ihm wurde dann auch – zusätzlich zu den Aufgaben, die er als Vorsitzender zu erfüllen hatte – das Bauvorhaben entscheidend vorangetrieben. Nach dreimaliger Änderung des Bauplans waren letztendlich alle Vorschriften und Auflagen erfüllt. Am 17. Januar 1981 lag die Baugenehmigung vor, und der so genannte „Rote Punkt“ konnte mit Erleichterung entgegen genommen werden – jetzt wurde es ernst.

Bürgermeister Wehrle und Ortsvorsteher Koch haben dankenswerter Weise ihre Unterstützung nie versagt. Ohne ihre Hilfe wäre solch ein Vorhaben nicht durchführbar gewesen. Neben dem Plangenehmigungsverfahren musste vor allem die Finanzierungsfrage geregelt werden. In Anbetracht der relativ geringen Eigenmittel war man – trotz der Erwartung von Lotto-Toto-Geldern und Zuschüssen der Stadt Gernsbach – auf äußerst sparsames Wirtschaften vorbereitet. So wurde schon frühzeitig der Entschluss gefasst, einen Großteil der anfallenden Arbeiten in eigener Regie durchzuführen. Man gründete einen Bauausschuss und alle Mitglieder wurden zur tatkräftigen Mithilfe aufgerufen.

Noch im Juli 1981 wurde die Baugrube ausgehoben und am 9. August traf sich erstmals eine Gruppe Freiwilliger zur Ausgrabung der Sohlen. Die Beschaffenheit des Bodens war nicht gerade ideal. So war der Zeitdruck, mit dem man während der gesamten Bauzeit immer wieder zu kämpfen hatte, jetzt schon zu spüren. Aber Dank unermüdlicher Einsatzbereitschaft kam man Zug um Zug voran, so dass am 14. September 1981 das Schnurgerüst gestellt und am 18. September die Sohlen betoniert werden konnten. Mit dem Verlegen der Abwasserleitung kam man relativ zügig voran. Probleme anderer Art gab es beim Betonieren der Druckplatte: Es regnete in Strömen. Doch ein echter Fußballer lässt sich von so was nicht aufhalten. Gleich am nächsten Tag (30. September 1981) begannen die FCO-Arbeiter mit dem Einschalen der Kellerrückwand, die im Oktober betoniert wurde. Auch diesmal öffnete der Himmel zum Leidwesen der Männer auf dem Bau die Schleusen. Nicht zuletzt deshalb war es ein hartes Stück Arbeit, mit den plötzlich auftretenden Tücken mit der Schalung noch rechtzeitig fertig zu werden.

Über die Wintermonate mauerte man nach und nach die Kellerwände hoch – immer, wenn es das Wetter zuließ, fanden sich freiwillige Helfer (zumeist waren es dieselben) auf dem Sportgelände ein. Im April 1982 – einmal mehr bei strömendem Regen – konnte endlich die Kellerdecke betoniert werden. Bei derartigen Großaktionen waren lobenswerter Weise immer genügend fleißige Hände zur Stelle. So konnte man, nachdem die Zimmerleute in der Woche vom 19. bis zum 24. Juli 1982 das von der Firma Weiler (Hilpertsau) gelieferte Bauholz abgebunden hatten, bereits am 31. Juli 1982 das Richtfest feiern.

Und siehe da: Endlich hatte auch er Wettergott mal ein Einsehen. Bei strahlendem Sonnenschein konnte das Dach gedeckt werden. Damit hatten die Maurer und Zimmerleute eine immense Arbeitsleistung mit Bravour bewältigt und ihr Hauptwerk abgeschlossen. Am 25. September verschwand das Baugerüst, und im Oktober setzte die Firma Heinrich Fortenbacher (Obertsrot) die Fenster ein. Ab Dezember konnte man dem bis dahin noch äußerst harmlosen Winter im Jahr 1982 mit Gelassenheit entgegensehen: Die Heizung war installiert und funktionsbereit. Diese Arbeiten – ebenso wie die Wasser-, Abwasser- und Elektroinstallationen – wurden neben der Rohbaufertigung kontinuierlich, von vielen fast unbemerkt, durchgeführt. Manch einer wäre wohl über den Aufwand, der diesbezüglich zu bewältigen war, erstaunt. Das meiste davon ist jedoch bis heute „unter dem Putz“ und somit von der Öffentlichkeit verborgen geblieben. Das soll auch so bleiben!

Noch im Dezember 1982 konnte Dank der nun beheizbaren Räume mit den Gipserarbeiten begonnen werden, die bis Ende Februar andauerten. Im März 1983 kamen die Plattenleger, im Mai nahmen die Maler ihre Arbeit auf. Kurz darauf richtete die Brauerei Hatz die Aufenthaltsräume ein, und die Kücheneinrichtung wurde von der Firma Kalmbacher (Hilpertsau) bezogen. Am 10. Juli 1983 weihte der FC Obertsrot seine neue Heimat mit einem tollen Fest ein und stellte das Clubhaus der Öffentlichkeit vor. Bis dahin waren zirka 100 Mitglieder und Helfer sage und schreibe rund 18000 Stunden im ehrenamtlichen Einsatz. Eine riesige Leistung des Vereins, vor allem wenn man bedenkt, dass die freiwilligen Helfer entweder nach Feierabend, an Wochenenden oder gar im Urlaub für den FCO auf der Baustelle aktiv waren. Zusammen mit einer risikobereiten Vorstandschaft und einem tatkräftigen Bauausschuss haben sie alle Anteil daran, dass Obertsrot ein Sportgelände vorzeigen kann, dass man in seiner Größenordnung sicherlich zu den schönsten in ganz Mittelbaden zählen darf.

Das Jahr 1983 geht als große Zäsur in die Vereinsgeschichte ein. Neben dem Clubhausbau feierte man natürlich auch das 25-jährige Bestehen. Zu diesem Anlass gab es einen großen Showabend unter dem Motto „Circus und Varieté“, der auf dem Festlatz beim Schwimmbad stattfand. Tags darauf konnte man beim Frühschoppen mit dem Hubschrauber über Obertsrot und Umgebung kreisen. Der Montag stand ganz im Zeichen des Nachwuchses: Eine Spielstraße mit Malwand, Autorennen, Wassertragen und vielem mehr ließen die Kinderherzen höher schlagen. Den Festausklang bildete ein Tanzabend für jung und alt.

Teil 4 folgt!!